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Ade, guter Soldat

Deutschland führt selbstverständlich Krieg und belebt die transatlantische Freundschaft wieder. 100 Tage schwarz-gelbe Außenpolitik.

Der liberale Beobachter (ein Beitrag zur Sloterdijk-Debatte)

Erschienen in 'Jungle World' und in "Angriff der Leistungsträger? - Das Buch zur Sloterdijk-Debatte", Argument

Sloterdijk und der Sozialneid von oben: In den Feuilletons trommelt ein Nietzsche-Groupie für den Sozialabbau. Neben vielen anderen Problemen hat Deutschland ein ganz spezielles. Das ist - der Sozialneid von oben. So regelmäßig wie der Vogelflug geraten betuchte Spießbürger außer Rand und Band. Dann rennen sie los, um allen mitzuteilen, dass arme Menschen zur Flasche greifen, dann verwandeln sie Feuilletons in Foren für Sudelpamphlete, wittern allerorten Geld, das ihnen vorenthalten werde, und beschwören - besoffen von Missgunst und Verachtung für die staatliche Wohlfahrt – den Niedergang Deutschlands, wenn alten Menschen nicht die Renten gekürzt und Gehhilfen verweigert werden. Sie gönnen Armen nicht die Margarine auf dem Brot und heißen Baring, Nolte, Miegel, Metzger, Sarrazin oder Sloterdijk. Ihre Idole sind Friedrich Nietzsche und Rainer Brüderle. Beim jüngsten Vogelflug geht es zu wie in Monty Python’s „Das Leben des Brian“. Brüderle tat wieder einmal auf irgendeinem Hügel Kund: „Mehr Netto vom Brutto!“ Seitdem brummelt das Milieu: „Mehr Netto vom Brutto“.

Ehre, Blut und Pulverdampf – Über den „Ehrbaren Kaufmann"

Die deutschen Manager sollen wieder »ehrbare Kaufmänner« werden, da sind sich die Parteien von CDU/CSU bis zur »Linken« einig. Über den derzeit beliebtesten bürgerlichen Mythos. Alle wollen ihn, alle rufen nach ihm, er soll jetzt die Karre aus dem Dreck ziehen: der ehrbare Kaufmann! Eine vom Aussterben bedrohte Gattung, die schon in der griechischen Mythologie vorkommt. Der Götterbote Hermes – der mit Flügeln an den Stiefeln – sollte nicht nur Seelen bis an die Pforte der Unterwelt führen, er war auch Schutzpatron für Kaufleute und Diebe. Die CDU/CSU verspricht uns »eine Wirtschaftsordnung, die sich an den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns orientiert«, die FDP will, dass »sich Vorstände ein Beispiel« an ihm nehmen, die SPD setzt »auf das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns« und will dafür sorgen, dass er »am Ende nicht wieder der Dumme« ist, die »Linke« betrauert, dass seine Tugenden »zugunsten von Gier verdrängt« wurden, Grüne sind versessen auf ihn.

Besinnliches zum 60ster Geburtstag der NATO

Die NATO wird 60, ein Anlass für Rückblicke, Ausblicke und Danksagungen. Im Bundestag dankte Angela Merkel der NATO, weil sie stets für „Frieden“ eingetreten sei und bis heute das Ziel verfolge, „dass aus Feinden Freunde werden“. Die NATO habe (vermutlich deshalb) ihr Schwergewicht von der Abschreckung auf die Intervention verlagert, sie müsse in Zukunft aber dem „Prinzip der vernetzten Sicherheit“ folgen, was etwa heißt: Die USA führen mit ihren willigen Partnern Krieg gegen Taliban, Deutschland schützt im Auftrag der NATO Mohnfelder und baut Rathäuser für Stammesfürsten. Westerwelle wies darauf hin, dass die NATO eine Wertegemeinschaft sei, aber kein Subunternehmen der UN werden dürfe.

Rettende Häfen in stürmischer See

Was tun in der Krise? Beschäftigte auf Betteltour schicken und Milliardärstränen weinen, die Amerikaner loswerden, die heimische Wirtschaft abschotten. Wozu? Etwas unerfreulich ist das. Karl Marx arbeitet heraus, dass „Nichteigentümer“, heute würde man Manager sagen, mit dem Kapital „ganz anders ins Zeug gehen als der ängstlich die Schranken seines Privatkapitals erwägende Eigentümer“, da demaskiert sich ein Eigentümer nach dem anderen als Hasardspieler. Nun auch Maria-Elisabeth Schaeffler. Ihr Vater hatte sich die jüdische Davistan gekrallt und sie 1946 in Schaeffler umbenannt. Sie mehrte zunächst das Kapital, bis sie im Sommer 2008 der Übermut einfing. Sie besorgte sich Kredite, um die dreimal größere Continental zu erwerben. Doch während sie den Coup im Nerzmantel feierte, fraß die Krise Absatz und Aktienwert weg. Geblieben sind Schulden und treue Mitarbeiter, die jetzt vom Staat Milliarden fordern. „Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen“, sagt Olaf Scholz, der übersieht, dass sie den längst nicht mehr trägt.

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