Die Parasiten

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von Rainer Trampert

Es geht jetzt um einen Skandal. Vielleicht den größten der letzten 10 Jahre. Ich meine den Skandal, dass Arbeitslose heutzutage machen, was sie wollen. „Bild“ spürt immer wieder Arbeitslose in der Karibik auf. Erst Karibik-Knut, dann Karibik-Klaus. Wer weiß, wer der Nächste ist. Wenn wir die Karibik mal für einen Moment verlassen und in heimischen Gefilden nach Arbeitslosen fahnden, dann kann es keiner mit dem Spiegel aufnehmen. Alle Zitate sind aus einem Spiegel-Aufmacher, in dem enthüllt wurde:

„Hartz IV ist völlig außer Kontrolle geraten!“

Nicht, weil Peter Hartz keine Orgie ausgelassen hat,

„sondern weil ein Heer von Abzockern, Schwarzarbeitern und Sozialbetrügern mit krimineller Energie den Sozialstaat ausnimmt.“

Unsereiner schämt sich, trägt jeden Cent, den er über hat, zum Sozialstaat hin, weil es dem schlecht geht, aber was macht der Sozialstaat?

„Er lädt mit dem Gesetz zum Arbeitslosengeld II zur Selbstbedienung ein und verteilt die Staatsknete großzügig“

an kriminelle Arbeitslose, die ohne Skrupel

„die Möglichkeiten, die ihnen der Gesetzgeber bietet, ausnutzen“.

Frechheit! Der Sozialstaat zimmert seine Sozialgesetze absichtlich so, dass keiner sie durchblicken soll,

„aber den angeblichen Hartz-Opfern gelingt es immer wieder mühelos, dem selbst für Experten kaum überschaubaren Gesetzesgeflecht hohe Beträge abzuzapfen.“

Wie raffiniert das läuft, zeigt das Titelblatt. Da ist eine Hartz IV-Music-Box abgebildet, auf der Abzocker einfach nur folgende Lieder zu drücken brauchen:

„Einstiegsgeld, Mehrbedarf, Erstausstattung, Regelleistung, Hinzuverdienst, Wohngeld, Sonderbedarf, Freibeträge, Zuschläge.“

Wenn man das addiert, kommt man auf sage und schreibe 345 Euro im Monat. Als sich das herumgesprochen hatte,

„saßen plötzlich Menschen auf den Fluren von Arbeits- und Sozialämtern, die bisher noch nie zu sehen waren.“

Ihr macht Euch kein Bild davon.

„Halbinvaliden und chronisch Kranke meldeten sich bei der Arbeitsagentur“,

obwohl mit ihnen nichts anzufangen ist. Kinder lungerten auf den Fluren,

„weil sich auf den Schulhöfen blitzschnell rumgesprochen hatte, dass der Staat ihnen Unterhalt und Miete zahlt.“

Kaum waren die Kinder wieder Spielen gegangen,

„entschieden Ausländer sich, ausgerechnet im von Massen-Arbeitslosigkeit gebeutelten Deutschland auf Jobsuche zu gehen,“

statt ihren deutschen Pass abzugeben und dahin zu gehen, woher ihre Eltern stammen. Von heute auf morgen kamen

„160.000 Türken, obwohl bei ihnen die Wahrscheinlichkeit hoch erscheint, dass sie über Vermögen in ihrem Heimatland verfügen.“

Woher weiß der Spiegel das? Er kennt doch Öger und zählt Eins und Eins zusammen. Nach den Türken schlich

„ein Libanese namens Ibrahim, der nebenbei ein Mehrfaches als Sänger auf Familienfesten verdient“,

ins Amt. Kaum waren die Ausländer weg, traute sich

„Bernd Wollschläger, der in Wahrheit eine gutgehende Baufirma seiner Ex-Frau leitete“

in die Agentur, um die Firma, die 500 illegale Polen beschäftigt, als Ich-AG anzumelden, während draußen mehrere Tausend

„Antragsteller, die angeblich nichts verdienen, mit dicken Autos“

aufkreuzten und sagten, sie hätten die in der Lotterie gewonnen. Es ist unvorstellbar!

„Hunderttausende Langzeitarbeitslose lügen und betrügen heute mindestens so viel“

wie Förster, Dirigenten, Hauseigentümer, Gastwirte, Autofahrer und Steuerzahler,

„auch Rechtsanwälte, Ärzte und Handwerker merkten offenbar zu Tausenden zum ersten Mal, dass sie am Existenzminimum knabbern.“

Die können den Rachen nicht voll kriegen. Spiegel-Redakteure lauerten vor den Ämtern, in Büschen versteckt, wie Indianer, und sahen, dass alle, die mit vollen Taschen das Amt verließen, mit ihren dicken Schlitten losfuhren, um

„Laub zu fegen und zu jäten, Demenzkranke zu pflegen und Wände in Hauptschulen zu streichen. Ein-Euro-Jobs sind zum Renner geworden.“
Wer genug kriminelle Energie hat, macht auf diese Weise nochmal spielend 150 Euro im Monat. Ist das nicht erschreckend? Und man kann ihnen das Handwerk nicht legen. Will ein Behördenleiter mal ne Kürzung durchsetzen,

„wird er von großzügigen Sozialgerichten blockiert, die alle Versuche, möglichen Missbrauch einzudämmen, torpedieren“.

Nur ein Beispiel! Ein Sozialgericht hat entschieden:

„Eine sexuelle Beziehung ist keineswegs ausschlaggebend für eine eheähnliche Gemeinschaft.“

Dazu fällt mir nichts mehr ein! Nehmen wir an, zwei 50-jährige, - sie berufstätig, er arbeitslos -, haben nach halb durchzechter Nacht die Idee, ein Liebesabenteuer könnte ihnen nicht schaden. Nehmen wir weiter an: Die Behörde hat durch Richtmikrofone und Wäschenalyse einwandfrei bewiesen, dass es zum Beischlaf gekommen ist. Dann muss diese Frau später nicht für den Mann aufkommen! Unfassbar oder? Das Sozialgericht sagt in diesem Fall:

„Eine eheähnliche Gemeinschaft liegt erst dann vor, wenn das partnerschaftliche Verhältnis auf Dauer angelegt ist.“

Die hatten Sex und behalten trotzdem ihre Versorgung! Wo gibt es sowas? Haben die Richter Angst?

„Eine aktive Beratungsszene, die vor allem im Osten des Landes aufblühte, sorgt dafür, dass die Betroffenen gesetzliche Grauzonen häufig jenseits der Legalität zu nutzen wissen.“

Was wurde Stoiber kritisiert, als er denen das Schicksal Deutschlands nicht überlassen wollte. Ein Sozialamts-Mitarbeiter, der vor Angst seinen Namen vergessen hat, spricht offen an:

„Früher war es noch möglich, die Förderung bis auf Null runterzufahren und sogar den Mietkostenzuschuss zu streichen.“

Heute? Nichts! Und nun kommt der Hammer!

„Der Missbrauch geschieht nicht nur im Norden,“

sondern auch im katholischen Süden, und er wird nicht nur von professionellen Betrügern betrieben.

„Bundesweit nutzen Menschen die Regelung, um auf Kosten des Staates aus dem elterlichen Nest zu flüchten.“

Da ist

„Sebastian Bürdel“,

52 Jahre. Er lebte bisher bei seinen Eltern. Alles war gut,

„aber er konnte der Versuchung nicht widerstehen und so beschloss er, auf eigenen Beinen zu stehen. Er gründete einen eigenen Hausstand, füllte einen Hartz IV-Antrag aus und bekam auch noch die Miete erstattet.“

Die Behörde prüfte den Fall und stellte zum Glück fest,

„er hätte auch weiter in seinem Zimmer im Einfamilienhaus der Eltern leben können. Es gab keinen Grund, dort auszuziehen.“

Die Leute in der Agentur sind keine Unmenschen. Es wurde durchaus berücksichtigt, dass sieben Geschwister, Eltern und Großeltern sich so auf den Wecker fielen, dass Messerstechereien an der Tagesordnung waren. Der Antrag wurde abgelehnt, weil die sich immer einig waren,

„wenn eine kostspielige Klinikbehandlung bevorstand“.

Dann verfielen alle Bürdels

„auf die perfide Masche, sich für erwerbsfähig zu erklären. Das lohnte sich. Die Krankenhauskosten musste die Arbeitsagentur begleichen.“

Die zahlten keine Operation aus der eigenen Tasche! Wie nennt man solche Leute, wenn man Begriffe wie asoziales Gesindel oder Volksschädlinge vermeiden möchte?

„Biologen verwenden für Organismen, die zeitweise auf Kosten anderer leben, die Bezeichnung Parasiten.“

Parasiten! Das sind Wesen,

„die nicht töten, aber durch Nahrungsentzug Krankheiten hervorrufen“,

die sich wie Seuchen im Volk ausbreiten. Diese Parasiten leben unter uns und untergraben unsere nationale Größe.

„Allein für den Lebensunterhalt der Dauerarbeitslosen gibt der Bund mehr Geld aus als für die Landesverteidigung.“

Wären alle Dauerarbeitslosen tot, würde so viel Geld in die Armee fließen, dass man Deutschland nicht nur am Hindukusch verteidigen könnte, sondern auch bei El Alamein oder in Stalingrad. Das geht nicht, weil Karibik-Klaus die Sonne und das Leben liebt. Nun kann man von Glück sagen, dass wir nicht im DDR-Staat leben, der vor seiner Bevölkerung kapitulierte, sondern in einem Rechtsstaat, der sich zu wehren weiß! --- Manchmal

„schleicht Carl-Burkhard Brauner stundenlang ums Haus, bevor er an einer Wohnungstür klingelt. Er beobachtet, wer kommt und wer geht, er notiert auffällige Kennzeichen. In der Wohnung interessiert er sich vor allem für Schränke.“

Er sucht

„nach verdächtiger Unterwäsche“,

nach Handys, Zahnbürsten,

„und nach Hosen einer anderen Größe,“

er sucht nach Rasierapparaten,

„einfach nach allem, was auf einen Lebensgefährten hindeutet“.

In Lüneburg entdeckt Brauner in einer Wohnung

„einen kleinen Mann mit blondem Haar und eine Frau mit zwei Kindern“.

Brauner sieht zwei Bettmulden, riecht an der Matratze und weiß sofort:

„Sie teilen sich das Schlafzimmer. Aber sie sagen, sie seien nur eine Wohngemeinschaft.“

Der kleine blonde Mann wird aggressiv:

„Selbst wenn wir eine WG wären, dürften wir, ganz banal gesagt, bumsen.“

Damit kommt er bei Brauner nicht durch:

„Was ich sehe, ist ein Untermietsverhältnis von Männlein und Weiblein.“

Von Amts wegen soll er Mann und Frau sagen, aber er verachtet Menschen, die sich trauen, was er sich verbietet.

„Dieter Schuster wurde von Brauners Hartz-IV-Prüftrupp halbnackt auf dem Balkon seiner Lebensgefährtin aufgegriffen.“

Er drohte zu springen. Aber Brauner fiel darauf nicht rein. Er hatte eine Unterhose neben dem Bett gefunden und der Schnüffeltest ergab zweifelsfrei: Sie gehörte Schuster! Sein Job ist hart. Arbeitslose drohen kackfrech mit Klagen

„wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und falsche Verdächtigung“.

Es kommt vor, dass dreiste Leute

„die Polizei rufen und Strafanzeige gegen die Ämter erstatten“.

Aber Brauner lässt sich nicht einschüchtern.

„Seine Trefferquote ist hoch. Aber es gibt nur wenige Kontrolleure vom Schlage eines Brauners.“

Das wird sich ändern! Tausende sollen für Spitzelkolonnen ausgebildet werden, die nicht nur bei uns schnüffeln.

„Man erwägt, verdeckte Ermittler in die Türkei zu schicken, die nach verschwiegenem Besitz fahnden und ihre Erkenntnisse fotografieren und dokumentieren.“

Man hat kurz erwogen, Informelle Mitarbeiter der Stasi zu rekrutieren. Aber die meisten haben Berufsverbot und die wenigen, die man getestet hat, scheiterten schon an der Unterhosen-Probe. Das Schnüffeln an Unterwäsche, das Brauner mächtig erregt, fanden sie ekelhaft, und sie beriefen sich darauf, dass sie sowas in der DDR nie machen mussten. Ausschlaggebend war aber, dass IMs der Bevölkerung nicht zu vermitteln wären. Viele wollen keine Kommunisten in die Wohnung lassen, nur einwandfreie Demokraten. Die Regierung hat das Modell noch aus einem anderen Grund verworfen. Die IMs hätten in der Stunde der Bewährung versagt. Als ihr Staat sie am nötigsten brauchte, hätten sie sich verkrochen. Mit solchen Leuten sei kein Staat zu machen. Eine Kommission untersucht nun, warum die Gestapo bei der Beseitigung asozialer Volksschädlinge so erfolgreich war. Denn laut Verordnung vom 24. Oktober 1934 ist das Ziel der Arbeitsfront die Bildung einer wirklichen Leistungsgemeinschaft aller Deutschen.